Geschichten, die das Leben mit Hunden schreibt.

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Aus dem echten Leben, für dich in Text verpackt.

Themen für Aha-Momente, Schmunzler und den ein oder anderen Kopfschüttler.

Leistung braucht Anerkennung um zu wachsen.

Höher, schneller, weiter... Über Feinziele, Trainingsschritte und den einen Lehrer an der Schule.

Keine Angst vor Aggressionsverhalten.

Ist ein Hund der aggressiv kommuniziert immer "böse" oder welche Motivationen können dahinter stecken?

Leistung braucht Anerkennung um zu wachsen.

von Kathrin Massonne

Letztens, als ich selbst mit Lion Teilnehmer in einem Kurs war, war das Thema eines, das für ihn in der Art vollkommen neu war:
 
Wasserarbeit

Zwar schwimmt er bereits mit Freude, doch mit Beute hatte ich bisher bewusst am Wasser noch nicht gearbeitet.

Auch gab es die ihm bekannten, seichten Einstiege ins Wasser nicht. Also alles in allem sehr herausfordernd und so war ich gespannt, wie er diese Aufgaben meistern würde.

Natürlich war mir klar, dass es mehr als unwahrscheinlich ist, dass er die unterschiedlichen Aufgaben auf Anhieb bis ins Detail perfekt und sicher ausführen würde. 

Warum? Weil ihm zwar verdammt viel in seiner Genetik mitgeliefert wurde, er aber trotzdem nicht meine Gedanken lesen kann. Er konnte schlichtweg noch gar nicht wissen, was die Aufgabe war und was somit von ihm verlangt wurde.

Was mir aber auch klar war: als er den Einstieg flott und mutig annahm und direkt lospaddelte, war das großartig. Als er das Dummy aufnahm und zu mir an Land brachte, war das ebenso großartig. Als er später die Ente, von der er nicht mal wusste, dass sie in den Seerosen ausgelegt war, fand und mir wie selbstverständlich apportierte, war das einfach nur wow.

Und das Wichtigste: ich habe es ihn auch jedes Mal wissen lassen, dass ich es großartig fand, was er da so leistete.
 

Leistung erhält ihren Wert nicht erst durch Perfektion. 

Auch wenn er sich beim ersten Mal noch vor der Abgabe geschüttelt hat, er zu Beginn Schwierigkeiten hatte, sich durch die Seerosen zu kämpfen oder sich mit der Ente im Fang an Land nicht direkt setzen konnte. Dadurch wurde das was er bis dahin geleistet hatte ja nicht weniger wert.

Daraufhin ist mir ein Satz der Trainerin im Kopf geblieben:

"Deshalb arbeite ich so gerne mit anderen Trainerinnen, die loben ihren Hund auch dann, wenn's noch nicht perfekt war. Andere wären jetzt von ihrem Hund vielleicht enttäuscht gewesen."


Welcher Lehrer willst du sein?

Wir alle erinnern uns vielleicht, an den einen Lehrer aus der Schulzeit, der immer kritisiert hat, Druck gemacht hat und der Unterricht so zu einer Qual wurde. Und dann war da aber noch der Lehrer, der dich gelobt hat, der dich motiviert und ermutigt hat. 

Wie hast du dich bei dem jeweiligen Lehrer gefühlt? 

Bei welchem wolltest du am liebsten das Handtuch werfen, hast dich klein gefühlt und alles hinterfragt? Und bei welchem Lehrer bist du dran geblieben, warst wissbegierig und hattest Freude beim Lernen, selbst wenn es herausfordernd wurde und dich auch mal an scheinbar unüberwindbare Grenzen gebracht hat?

Ich denke die Antwort ist klar. Und im Hundetraining ist es nicht anders.

 

Von Feinzielen und Wegen.

Was heißt das nun für die Arbeit mit deinem Hund?

Du solltest euer Feinziel vor Augen haben. Also was genau du im Detail mit deinem Hund erreichen möchtest. Meist hat man da bereits ein gewisses Bild vor Augen, Erwartungen an den Hund. Und hier kommt jetzt aber der entscheidende Punkt.

Denn ebenso wichtig, oder vielleicht sogar wichtiger als das Feinziel, ist der Weg, der dich und deinen Hund dorthin führt. Dieser Weg besteht aus einzelnen Teilschritten, die es deinem Hund kleinschrittig und verständlich zu vermitteln gilt. Euer gemeinsamer Fahrplan also, den du zuvor natürlich ebenso definieren solltest, denn bevor man losfährt, studiert man die Route, damit man auch sicher ans Ziel kommt.

 

Sie haben Ihr Ziel erreicht!

Wer nur das Endziel bewertet, übersieht die Anstrengung des Hundes auf dem Weg dorthin. Das demotiviert beide Seiten. Wer hingegen jeden Teilschritt als das anerkennt, was er ist – nämlich ein hart erarbeiteter Zwischenschritt –, hält die Lernbereitschaft hoch.

Und somit gibt es doch keinen Grund, enttäuscht zu sein, wenn ihr noch nicht am Ziel angelangt seid, da ihr euch erst auf eurem gemeinsamen Weg dorthin befindet.

Denn gute Hundearbeit misst sich eben nicht nur an Endergebnissen, sondern auch daran, wie du deinen Hund dorthin führst.

 

Keine Angst vor Aggressionsverhalten

von Kathrin Massonne

Aggressives Verhalten beim Hund schreckt viele Menschen ab. Aber was ist Aggression und wozu dient sie?

Ist ein Hund, der aggressives Verhalten zeigt, automatisch ein böser Hund mit schlechter Sozialisierung – oder sogar einer, der die Weltherrschaft an sich reißen möchte?

Aggression ist ein Normalverhalten unserer Hunde.

Natürlich gibt es im Bereich des Aggressionsverhaltens auch unerwünschte Nuancen. Verhalten, das gefährlich werden und sich bis zu schwerwiegenden Verhaltensstörungen entwickeln kann.

Jedoch nüchtern betrachtet – lange bevor Aggressionsverhalten zu einem Problem wird – ist es in allererster Linie als Normalverhalten unserer Hunde zu betrachten. Aggressives Verhalten dient nämlich der Kommunikation. Dies gilt sowohl für die Kommunikation mit der eigenen Art (intraspezifisch) als auch mit Artfremden (interspezifisch), wie uns Menschen oder anderen Tieren.

Die 4 F – Mögliche Stressreaktionen

Ist eine Situation für unsere Hunde überfordernd, beängstigend oder gar bedrohlich, verfügen sie über grundlegende Überlebensstrategien und Stressreaktionen, um die jeweilige Situation zu bewältigen. Man spricht hier von den „4 F“:

  • FIGHT – Angriff / Kampf (meist mit dem Ziel der Distanzvergrößerung)
  • FLIGHT – Flucht
  • FREEZE – Einfrieren / Erstarren
  • FIDDLE ABOUT oder FLIRT – Herumalbern / Beschwichtigungs- und Deeskalationsstrategie

Welche Strategie in welcher Intensität der Hund wählt, ist dabei stark abhängig von der jeweiligen Situation. Der Hund kann dynamisch zwischen den zur Verfügung stehenden Strategien und Intensitäten wechseln.

Kommunikation aufgrund spezifischer Motivation.

Was veranlasst unsere Hunde nun aber genau, in bestimmten Situationen Aggressionsverhalten zu zeigen – also die Strategie FIGHT zu wählen? Dahinter können ganz unterschiedliche Motivationen stecken.

Es gibt weit mehr Aggressionsformen, hier ist jedoch ein kleiner, beispielhafter Auszug zur Veranschaulichung:

  • Ressourcenbedingte Aggression: Futter, Beute, Liegeplätze usw. Wenn dem Hund etwas besonders wichtig ist, er es für sich beansprucht und keinesfalls verlieren möchte, signalisiert er: „Halte Abstand, das ist meins!“
  • Sozial motivierte Aggression: Bei dieser Form zeigt der Hund das Verhalten nur in Verbindung mit seinem Sozialpartner. Er bellt beispielsweise bei Fremdhundbegegnungen an der Leine, die der Besitzer hält – zeigt dieses Verhalten jedoch nicht, wenn er angebunden ist und sein Besitzer sich entfernt hat.
  • Territoriale Aggression: Wenn der Postbote klingelt oder der Nachbar am Gartenzaun auftaucht.
    Eindringlinge sollen abgewehrt und aus dem eigenen Territorium ferngehalten werden.
  • Erlernte Aggression: Fühlt sich der Hund bei einer Begegnung unwohl und möchte Abstand, zeigt er aggressives Verhalten zur Distanzvergrößerung. Weicht das Gegenüber daraufhin zurück, macht der Hund die Lernerfahrung, dass sein Verhalten erfolgreich war. Dass er dieses für ihn lohnenswerte Verhalten in Zukunft öfter zeigt, ist die logische Konsequenz.

Was drauf steht, ist auch meistens drin.

Wie intensiv ein Verhalten letztendlich gezeigt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Genetik: Durch züchterische Selektion hat der Mensch über Jahrhunderte bestimmte Eigenschaften des Hundes gefördert, andere in den Hintergrund rücken lassen: Bei Rassen wie Schäferhunden, egal ob der Deutsche oder Malinois ist uns meist völlig klar, dass sie Territorium und Mensch instinktiv schützen. Bei einem Weimaraner (Jagdhund) oder einem Australian Shepherd (Hütehund) sind wir jedoch oft überrascht - obwohl diese Rassen neben der Jagd, beziehungsweise der Arbeit am Vieh eben auch den Job inne hatten, Haus und Hof zu bewachen. Dass dies heute meist nicht mehr im Sinne des Halters ist, lässt sich der Genetik nicht so einfach vorschreiben, denn sie ist tief verankert.
  • Epigenetik: Lernerfahrungen der Vorfahren können über die DNA weitervererbt werden. Dabei handelt es sich nicht um konkretes Wissen, sondern vielmehr um die Übertragung chemischer Marker auf die DNA. War zum Beispiel eines der Elterntiere dauerhaft einer hohen Stressbelastung ausgesetzt, kann es sein, dass auch der Nachkomme die Veranlagung trägt, schneller eine höhere Menge an Stresshormonen auszuschütten.
  • Lernerfahrungen: Auch wenn Lernerfahrungen die Genetik und Epigenetik nicht einfach ausradieren können, sind sie ein wichtiges Tool, das wir uns in der Erziehung und im Training zunutze machen sollten. Denn Lernen findet immer statt - bewusst oder unbewusst, ob wir wollen oder nicht.

Kommunikation will gehört werden.

Aggressionsverhalten ist also nichts, wovor du Angst haben musst. Es ist eine Kommunikationsform deines Hundes. Wichtig ist der korrekte Umgang mit dieser Kommunikation. Denn jeder von uns hat doch schon einmal die Erfahrung gemacht, wie frustrierend es ist, wenn man kein Gehör geschenkt bekommt. Also schau und hör hin, was dein Hund dir sagen möchte.

Und falls ihr doch mal eine Dolmetscherin benötigt, weil ihr auf unterschiedlichen Frequenzen funkt, dann unterstütze ich dich gerne dabei. Am besten natürlich, noch bevor das Verhalten zum Problem wird.

Damit du und dein Hund ganz bald wieder dieselbe Sprache sprecht.

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Kathrin Massonne · Dillingen Saar / Saarland

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